|
info
termine
kontakt
ignatius
vertiefe mich
Impulspapier
start
|
Geistliche Begleitung in der Nordelbischen Kirche
– Impulspapier
Geistliches Netzwerk -
Kirstin Faupel-Drevs
Gott erleuchte die Augen eures Herzens, damit ihr
versteht, zu welcher Hoffnung ihr durch ihn berufen seid, welchen Reichtum
die Herrlichkeit seines Erbes den Heiligen schenkt. Eph 1,18
Definition:
Geistliche Begleitung (GB) geht von der Annahme aus, dass Gott jeden
Menschen bei seinem Namen gerufen hat – auf einen je ureigenen und
persönlichen Weg. Diese ganz persönliche Berufung gilt es zu entdecken und
zu beantworten. Von daher ist GB eine besondere Form der Seelsorge, die
gekennzeichnet ist durch eine gemeinsame Suchbewegung in einem geistlichen
Wachstumsprozess. Es geht konkret um die Begleitung eines anderen Menschen
auf seinem spirituellen Weg. Beide, Begleitende/r wie Begleitete/r, sehen
sich auf dem Nachfolgeweg Jesu Christi und in gemeinsamer Ausrichtung auf
Gott, wobei der eine durch seinen eigenen Weg Erfahrungen gemacht hat, die
hilfreich sind, um den anderen auf seinem Suchweg zu unterstützen. Ziel
ist es, „Gott in allen Dingen zu suchen und zu finden“ (Ignatius von
Loyola) und die Beziehung zu Gott durch eine eigene praxis pietatis
(GlaubensÜbungen im Alltag) zu erschließen, zu fördern und zu vertiefen.
Nur wer aus der Quelle lebt, kann anderen davon weitergeben, nur wer das
„Brennen des Herzens“ kennt, kann andere begeistern. Wer sich als einen
von Gott geliebten und geheiligten Menschen erfährt, ist offen für das
Leben und seine Aufgaben. Klemens Schaupp beschreibt Geistliche Begleitung
als "Hilfe, die ein Christ dem anderen gewährt, damit das in der Taufe
geschenkte Leben mehr zur Entfaltung kommen kann[1]; sie hat das Ziel, die
Beziehung des Übenden zu Gott zu klären, zu stärken und zu fördern“[2],
damit er sich mehr und mehr auf die ganze und unverkürzte Wirklichkeit
seines Menschseins einlassen kann.
Geistliche Begleitung beschreibt eine wesentliche Handlungsform pastoraler
Tätigkeit, in der es zunächst um eine Vertiefung des eigenen geistlichen
Weges geht, und in der Folge um die kompetente Begleitung von Einzelnen
und Gruppen. Aus lutherischer Perspektive wird damit die Konkretion „der
gegenseitigen Unterredung und Trost der Geschwister“ (per mutuum
colloquium et consolationem fratrum, Schmalkald. Art. III.4, 1537)
beschrieben. GB ist der Grund für eine vertiefte Praxis der
Gemeindearbeit, die Spiritualität, persönliches Gebet und Meditation als
selbstverständlichen Teil des Lebens und Arbeitens begreift. Dennoch ist
GB kein Dienst, der nur in der Verantwortung von Ordinierten liegen
sollte.
Da es dabei wesentlich um Lebens- und Glaubenshilfe geht, bedarf es mehr
der personalen Qualitäten und Lebenserfahrung als der theologischen
Kompetenz; vergleichbar dem Hinweis im Evangelischen Gesangbuch, dass ein
Mensch sich bei Wunsch nach Einzelbeichte an einen Ordinierten oder „auch
an einen anderen Christen (wenden soll), zu dem man Vertrauen hat“ (EG
792). Entscheidende Voraussetzung, Begleitender zu sein, ist das bewusste
Gehen eines geistlichen Weges.
Geistliche Begleitung ist auf der Grundlage eines christlichen Welt- und
Menschenbildes zu sehen. In unserer Gegenwart, die geprägt ist durch
Säkularisierung und Entkirchlichung einerseits und eine wahrnehmbare
wachsende Suche nach Spiritualität im Sinne religiöser Erfahrungen
andererseits ist jedoch davon auszugehen, dass immer mehr so genannte
Kirchen-Distanzierte bzw. religiös Suchende im Raum der Kirche geistliche
Begleitung wünschen. Diesen gegenüber ist eine nötige Offenheit
entgegenzubringen im gläubigen Bewusstsein, dass welche der Geist Gottes
treibt, die auch Gottes Kinder sind (Röm 8,14).
Abgrenzung zu anderen Formen der Begleitung:
Wesentliches Merkmal GB in der Unterscheidung von anderen Formen der
Seelsorge ist die Kontinuität und Zielrichtung im Sinne der Begleitung
eines Geistlichen Prozesses. Anders als z.B. beim seelsorgerlichen
Kasualgespräch geht es also nicht um die Bewältigung einer akuten Krise
oder die Begleitung bei einer Schwellensituation (wenn solches auch
Auslöser für einen vertieften Suchprozeß sein kann); anders als bei
anderen Formen der Begleitung (Therapie, Beratung, Supervision) steht
nicht das „Problem“ des „Klienten“ im Blickpunkt, sondern inhaltlicher
Focus ist die Gestaltung der Beziehung zu Gott und der damit verbunden
Reflexion des eigenen Lebens. GB hat heilende Wirkung, sie kann jedoch bei
schweren und andauernden Störungen keine Therapie ersetzen.
Merkmal und Ziel von Geistlicher Begleitung nach Joachim Holub[3]:
„Bei allen Berührungspunkten, Überschneidungen und fließenden Übergängen
zwischen den verschiedenen Weisen von Begleitung ist die Sicht des
christlichen
Glaubens das unterscheidende Merkmal von Geistlicher Begleitung in
Abgrenzung zu anderen Formen und Wegen: Nicht das Begleitungsgespräch und
auch nicht die Beziehung zwischen dem Begleiter und dem, der begleitet
wird, ist das Entscheidende, sondern die unmittelbare Ausrichtung und
Beziehung des
Begleiteten zu Gott und dem Wirken des Heiligen Geistes in seiner
Erfahrungswirklichkeit.
Vereinfacht gesagt geht es in der Geistlichen Begleitung darum, die
Beziehung zu Gott zu erschließen, zu fördern und zu vertiefen. Da bei
diesem Beziehungsgeschehen drei Partner aufeinander bezogen und verwiesen
sind - nämlich der Begleiter, der Begleitete und Gott - spricht man von
einer trialogischen
Struktur', einem 'geistlichen Dreiecksverhältnis“. Diese „trialogische
Struktur“ im Sinne von Mt 18,20 kann als das wesentliche Kennzeichen
Geistlicher Begleitung gesehen werden, die sich dann im Praxis-Vollzug
durchaus unterscheiden kann entsprechend dem individuellen Weg des
Begleiters oder der Begleiterin und der jeweils persönlichen Begabung und
Zusatz-Qualifikation in den verschiedenen Bereichen von Therapie und
Beratung.
Biblisch-Theologische Grundlagen:
Das Leben ist nicht ein Frommsein, sondern ein Frommwerden nicht eine
Gesundheit, sondern ein Gesundwerden, nicht ein Sein, sondern ein Werden,
nicht eine Ruhe, sondern eine Übung. Wir sind`s noch nicht, wir werden`s
aber. Es ist noch nicht getan oder geschehen, es ist aber im Gang und im
Schwang. Es ist nicht das Ende, es ist aber der Weg. Es glüht und glänzt
noch nicht alles, es reinigt sich aber alles.
Martin Luther
Das geistliche Leben ist immer eines, das im Werden ist. In der
Perspektive jüdischchristlicher Tradition geht es um einen
geschichtlich-biographischen, ganzheitlichen Entwicklungs- und
Reifungsprozeß, bei dem Gott / Jesus / der Heilige Geist die eigentliche
innere Begleitung des Menschen ist. Das weist im christlichen Kontext hin
auf den Begriff der „Paraklese“, zu verstehen als Trost, Zuspruch,
Ermunterung und geschwisterliche Ermahnung (1. Thess 4,18; 5,11), aber
auch als ein Anrufen und Einladen des Heiligen Geistes (Paraklet – Der
Anwalt, Beistand, Helfer, Fürsprecher, z.B. Joh 14,26). Der Begriff
π________ / parakaléo zielt bei Paulus in der Regel auf die innere
Auferbauung der Gemeinden, ist aber ebenso als Zuspruch und Trost für den
Einzelnen zu verstehen.
Christen sind zu einem Leben im Geist Jesu berufen (Röm 8). Als Getaufte
haben sie die innere Perspektive täglicher Teilhabe am Reich Gottes, die
jedoch unverfügbar bleibt und immer wieder neu gesucht werden muss; sie
vertrauen darauf, dass Gott erfahrbar gegenwärtig ist, wenn sie sich in
seinem Namen versammeln (Mt 18,20). Als diejenigen, die in der Nachfolge
Jesu einem neuen Weg anhängen (Apg 9,2), haben sie – wie die Emmaus-
Jünger (Lk 24) – die nach wie vor unglaubliche Kunde der Auferstehung im
Rücken, das Scheitern der Vision in den Knochen und ihre Augen sind
angesichts der gegenwärtigen Gottesbegegnung oft ebenso „gehalten“ wie die
ihrer säkularen Zeitgenossen. Ihre Leitschnur ist der Geschichte nach also
nur das „brennende Herz“ und die Erfahrung eines blitzartigen Erkennens
des Auferstandenen beim Brotbrechen. Beides führt sie auf den Weg einer
Intensivierung persönlicher Glaubenssuche, der Vergemeinschaftung mit
anderen und der Hingabe an ein unabsehbar neues Alltagsleben. Eine
„Schlüsselgeschichte“ für die Praxis GB ist die des Kämmerers aus
Äthiopien (Apg 8,26ff). Der Jünger Philippus wird durch die Geistkraft
Gottes einem Suchenden für eine Wegstrecke lang beigesellt. Auf Nachfrage
erklärt der Apostelschüler dem anderen den Sinn der verschlüsselten
Schriftworte. Dieser erkennt ihren Sinn in der Verdeutlichung und Heilung
der eigenen lebensgeschichtlichen Verletzungen. Die sich ihm nun von
selbst auftuende Möglichkeit der Taufe ist wie ein Horizontaufriß, quasi
eine Lebensumdeutung
durch totalen Perspektivewechsel, die das Alte vergangen sein lässt und
das neue als Weg eröffnet. Der fromme Begleiter ist nun überflüssig und
verschwindet im wahrsten Sinne des Wortes, „er (der begleitete Kämmerer)
zog aber seine Straße fröhlich“.
Der geistliche Weg in bewusster Christus-Nachfolge ist dabei immer wieder
gekennzeichnet durch die Zumutung des Kreuzes (1 Kor 1,18) und damit ein
(für) Wahr-nehmen des fragmentarischen Charakters (D. Bonhoeffer) des
eigenen Lebens und des persönlichen Scheiterns. Zeiten der Krise und des
„Sterbens“ sind Teil dieses Weges, der in der lebendigen Beziehung zum
dreieinigen Gott die Erfüllung sucht. Dass es auf dem individuellen
geistlichen Vertiefungs-Weg einer erfahrenen Weg-Begleitung bedarf, ist
ein in allen Religionen vorhandenes Wissen, das im christlichen Bereich
auf biblischem Fundament und poimenischen Erfahrungen durch die ganze
Kirchengeschichte hindurch fußt. Sie kann sich, wie in der Geschichte des
Kämmerers, auf eine Wegstrecke beschränkten oder längerfristig sein. Ihre
innere Orientierung ist das „brennende Herz“ und die lebendige Erfahrung
von Gemeinschaft vor Gott. Ihre Perspektive ist die Öffnung zu mehr
Lebenslust und Mut, den Schatz im Acker des eigenen Lebens zu entdecken
und zu heben. Ihre Frucht ist eine wachsende Aufmerksamkeit für die
innersten Regungen, durch die die eigene Intuition genährt wird.
GB dient demnach
- der Hilfestellung auf dem geistlichen Weg,
- der Erschließung der eigenen Biographie auf Gott hin,
- dem Offenhalten der inneren Perspektive auf die Möglichkeiten des
Glaubens,
- der Hilfe zur Unterscheidung dessen, was mehr zu Gott hin und was von
Gott wegführt (Unterscheidung der Geister),
- der Gestaltung einer individuellen praxis pietatis im Alltag,
- der Eröffnung von Konkretionen im (christlichen) Miteinander, der
gelebten compassiòn und des Engagements auf dem Marktplatz des Lebens.
Zur Geschichte
Geistliche Begleitung steht in einer langen kirchlichen Tradition. Im
frühen Mönchtum und bei den Wüstenvätern wurde sie in erster Linie als
„Mystagogie“ verstanden, als Hinführung zur Kontemplation, der Begegnung
mit dem Geheimnis Gottes. Voraussetzung war ein langjähriges Leben in der
Nachfolge Jesu und ein Wissen um die geheimnisvollen Wege Gottes mit den
Menschen, das aus der Auseinandersetzung mit den eigenen Leidenschaften
und Schwächen, Gefühlen und Bedürfnissen gewachsen ist. Neben dem
jahrelangen Kampf um die Läuterung des Herzens brauchte es für die
geistliche Weisung die Gabe der Herzenskenntnis (kardiognósis) und die
Gabe der geistlichen Unterscheidung (diakrisis). Beides sind Charismen,
also Gaben des Heiligen Geistes, nicht Fähigkeiten“, die man sich auf
gewöhnliche Weise mit bestimmten Methoden „erwerben“ kann.[4] Geistliche
Begleitung ist die vermutlich älteste Form der Individualseelsorge, die
durch die ganze Kirchengeschichte hindurch praktiziert worden ist und
deren inhaltliche Entwicklung gut im Zusammenhang mit dem Bußsakrament zu
erklären ist. Bis ins Mittelalter war in der Westkirche die sakramentale
Buße von der Seelenführung unterschieden. Letztere knüpfte an den
altkirchlichen Brauch der Gewissenseröffnung an. Nicht die amtliche
Bestellung, sondern die Erfahrung machte den Abt oder Mönch zum
geistlichen Vater. In der Ostkirche hatte der geistliche Vater aufgrund
seiner persönlichen Qualitäten lange Zeit auch die Vollmacht der
Sündenvergebung… Der christliche Osten hielt immer am Unterschied zwischen
Seelenführung und Sündenvergebung fest. Dieser Unterschied ist inhaltlich
und formal zu beschreiben. Bei der sakramentalen Beichte geht es um
Nachlaß von Sünden, bei der Begleitung um Glaubens- und Lebenshilfe; für
die sakramentale Lossprechung ist Weihe und Beauftragung erforderlich, für
die Begleitung bedarf es personaler Qualitäten (Grundkurs Spiritualität,
S. 205 u. 207). Geistliche Begleitung an sich gibt es in nahezu allen
religiösen Traditionen; in der christlichen Tradition findet sie heute in
verschiedenen spirituellen Kontexten statt. Es ist Aufgabe der ev.-luth.
Kirche, den unterschiedlichen Angeboten Raum zu geben und damit zu
ermöglichen, sich in Freiheit die Begleitung und den Weg zu suchen, der am
besten für das
eigene geistliches Wachstum geeignet erscheint. Die zwei bekanntesten
Wege: 1. Geistliche Begleitung wird heute vielfach in Zusammenhang mit der
katholischen ignatianischen Spiritualität gesehen. Das liegt historisch
darin begründet, dass die Jesuiten nach dem Trienter Konzil (1545 – 1563)
die geistliche Begleitung und Ausbildung des Klerus übernahmen. Ebenso
bilden die von ihnen geleiteten Exerzitien eine gute Grundlage für erste
Erfahrungen mit GB.
2. Geistliche Begleitung ist in der Regel auch Bestandteil eines
kontemplativen Übungsweges und findet in Form von Einzelgesprächen während
und außerhalb von Schweigezeiten (Schweigewochen, Schweigetage) statt.
Beim Weg des Herzensgebetes stehen dabei auch die Formen der Seelenführung
im alten Mönchtum, der Wüstenväter, im Mittelpunkt.
Für den evangelischen Kontext wäre unbedingt eine theologische Vertiefung
des von Martin Luther in den Schmalkaldischen Artikeln von 1537 unter 4.
Zum Evangelium genannten Gedankens „zum vierten durch die Kraft der
Schlüssel und auch per mutuum colloquium et consolationem fratrum (durch
gegenseitiges Unterreden und Trösten der Brüder), Mt 18, 20:
Ubi duo fuerint congregari (wo zwei oder drei versammelt sind) etc.“
nötig. Im deutschen Sprachraum gibt es bislang noch keine systematische
und umfassende Darstellung der Tradition GB.
Rahmen und formale Struktur in der Geistlichen Begleitung
GB findet oft im Rahmen von Einkehrzeiten, Exerzitien, Meditationskursen
o.ä. statt. Auch so genannte „Stille Tage“ bieten einen Schutzraum, um
erste Erfahrungen mit GB zu machen. Daraus erwächst dann häufiger das
Bedürfnis nach einer längerfristigen GB. Es ist sinnvoll, GB innerhalb
einer bestimmten Struktur auszugestalten. Formal beginnt sie mit einer Art
„Vertrag“, der (mündlich oder schriftlich) nach einer Zeit des
gegenseitigen Kennenlernens (die „Chemie“ in der Beziehung muss stimmen)
festgelegt wird. M.E. sollte der Rahmen schon im ersten Gespräch
beschrieben werden. Dabei geht es um
- Ort
- Zeitdauer der Sitzungen
- Zeitrahmen, z.B. ein halbes Jahr mit monatlich einer Sitzung
- „Setting“, z.B. Beginn und Ende mit Stille, Gebet, Segen o.ä.
- (begleitende Aufzeichungen)
- (Honorar in besonderen begründeten Fällen)
Nach dem Ablauf der Zeit wird eine gemeinsame Auswertung gehalten und das
Begleitungsverhältnis im gegenseitigen Einvernehmen beendet oder
fortgesetzt. [5]
Die Aufgaben eines geistlichen Begleiters oder einer Begleiterin bestehen
im Wesentlichen aus folgendem:
- Mitgehen i.S. eines aufmerksamen und liebevollen Wahrnehmens des
anderen,
- Zuhören ohne Werten, Verändern, „Helfen“ zu wollen,
- Gott „Raum geben“ im Hören, Reden und Beten, beide sind gemeinsam
ausgerichtet,
- Hilfe durch die Schätze der christlichen Tradition,
- angemessene Anwendung der alten und neuen Mittel der Seelsorge (s.u.),
- Anregungen geben zur Entwicklung einer persönlichen und passenden
„praxis pietatis“.
Voraussetzung, geistlich begleiten zu können:
- Ein eigener geistlicher Weg (Wissen um die Schritte der spirituellen
Entwicklung),
- eigene Erfahrung im Begleitet-werden,
- regelmäßige Zeiten eigenen Rückzugs in Form von Exerzitien,
Schweigeseminar, Retraiten, Einkehrzeiten o.ä.,
- Qualifikation durch eine Ausbildung in einem geistlichen oder auch
therapeutischen Bereich, in dem das Wahrnehmen, Reflektieren und Begleiten
von
geistlichen Prozessen enthalten ist,
- möglichst fortlaufende Weiterbildung (Studientage, Vorträge) und
Supervision bzw. kollegiale Intervision, wie z.B. im „Geistlichen
Netzwerk“ vorgesehen und
seit Anfang 2005 durchgeführt.
Aspekte der Ausbildung zum Geistlichen Begleiter oder Begleiterin und der
Frage, ob man GB „lernen“ kann:
„GB setzt sich zusammen aus „handwerklichem Können“, einer soliden
psychologischen und spirituell-theologischen Ausbildung, aus den
jeweiligen Begabungen und dem Wirken des Geistes: der Herzenserkenntnis
und der Fähigkeit zur Unterscheidung der Geister“
(Christian Wulf).
„Die Kunst der GB besteht darin, nichts zu verhindern, den Augenblick
nicht zu verpassen, soviel wache innere und äußere Wahrnehmung
aufzubringen, damit Gottes Führung sich ereignen kann. Die handwerkliche
Kunst ist dafür die Voraussetzung.“ (Grundkurs Spiritualität, S. 217).
Im einzelnen geht es darum, . eine gute Selbstwahrnehmung zu entwickeln,
mir „meine eigene Brille“ bewusst machen und Begabungen entwickeln, was
u.a. bedeutet:
- Klärung des eigenen Gesprächsverhaltens (z.B. Übertragung-
Gegenübertragung, was läuft untergründig),
- die eigene geistliche Biographie reflektieren,
- klären, welche geistliche Heimat ich habe,
- Kompetenz im Bereich Kommunikation (wahrnehmen und verstehen von
verbaler und nonverbaler Kommunikation) erwerben,
- Offenheit für ganzheitliche und erfahrungsorientierte Formen von
Spiritualität,
- anschlussfähig werden für unterschiedliche Milieus, die mir begegnen,
- Ordnung im eigenen Leben schaffen (Geschichte vom Regenmacher) und zu
einer Neu-Orientierung finden:
. - in meinem Inneren (Haus aufräumen),
. - in meiner Umgebung bzw. meinen Beziehungen (Umgebung des Hauses,)
. - den Auftrag entdecken, den Gott mir gegeben hat (Umgebung des Dorfes.)
. Offenheit, anderen Formen geistlichen Lebens Raum zu geben, um dem
Begleiteten helfen zu können, eine ihm / ihr gemäße Form zu finden;
dabei Unterscheidung in
- Form: Struktur durch geprägte Formen, Texte und Bilder etc. als „Hilfe
von außen“, um sich zu vertiefen,
- Leere: Gebet der Ruhe, Stille und Kontemplation,
- und Ausdruck: Menschen, die innerlich „voll“ sind, müssen sich kreativ
ausdrücken können.
. Gestaltungskompetenz entwickeln
- im Umgang mit den Schätzen der Tradition (Biblisches Wort, Gebete,
Lieder),
- in angemessener Anwendung sowohl der „alten“ (Gebet, Segnung, Beichte)
als auch der neuen „Mittel“ der Seelsorge (Formen der
Gesprächsführung),
- in der „Heiligung der Strukturen“, in denen wir arbeiten (GB im Kontext
kirchlicher Struktur von Gemeinde, Diensten und Werken und
Ausbildung).
„Gefahren“ der Geistlichen Begleitung:
- Für GB ist ein angemessenes Nähe-Distanz-Verhältnis notwendig, weil es
sonst leicht zur „Rollenkonfusion“ kommen kann.
- Geistliche Begleitung und Leitung schließen sich in der Regel aus,
- Seelenführung und Machtmissbrauch,
- „Festhalten“ der begleiteten Person,
- Geistliche „Besserwisserei“,
- Thema „Bescheinigung“ als GB-Garantie.
[1] Gott im Leben entdecken. Einführung in die geistliche Begleitung,
Würzburg 2006, S.
147.
[2] ebd., S. 23.
[3] Website: Geistliche-Begleitung.de – Der eigenen Sehnsucht auf der
Spur.
[4] Peter Köster, Einführung in die Praxis geistlicher Begleitung, Köln
2002, S. 16.
[5] Nach H. Andriesen gibt es neben der längerfristigen Begleitung noch 1.
die konsultative Begleitung: Einzelne oder wenige Gespräche, bei denen
eine spezielle, deutlich abgegrenzte Frage ansteht (so wie die
Nikodemus-Gespräche), 2. die fokussierte Begleitung: Eine auf einen
speziellen Punkt (zentraler Konflikt) ausgerichtete Begleitung und 3. die
befristete Begleitung: Das Ende der GB wird von vornherein zeitlich
festgelegt. Es geht hier v.a. um die
Begleitung von Krisen und Umbruchsituationen oder Übergänge. .Sich von
Gott berühren lassen. Geistliche Begleitung als pastorales Handeln heute,
Mainz 1995.
|